Positionen

1. Ausgangssituation

Die Deutsche Bahn hat in den letzten drei Jahren, fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit, aus angeblich wirtschaftlichen Gründen Schritt für Schritt den Betrieb des konventionellen Autoreisezugs eingestellt. Eine umweltschonende Art des Reisens findet damit ihr Ende, die es bisher umweltbewussten Auto- und Motorradfahrern ermöglichte, auch am Urlaubsort mobil zu sein. Es ist geplant, dass ab 2015 die Verbindungen ins Ausland vollständig eingestellt sein werden, so auch zu beliebten Reisezielen wie Süd-Frankreich, Slowenien, Österreich, Nord-Italien, Schweiz, Ost-Frankreich und Kroatien.

Als Alternative sieht die Deutsche Bahn das Konzept „Auto + Zug“ vor, das sich in der Planungsphase befindet. Nach diesem Konzept werden Reisende und ihre Fahrzeuge zukünftig getrennt voneinander befördert. Fahrzeuge werden danach nicht wie bisher vom Zug, sondern von Lastkraftwagen des firmeneignen Logistikunternehmens Schenker zum Zielbahnhof transportiert. Dadurch ergibt sich eine erhebliche zusätzliche Belastung für die Umwelt und den Straßenverkehr.

Mit der Beendigung des Autoreisezugangebots fällt die Deutsche Bahn deutlich hinter ihre eigenen umweltpolitischen Ansprüche zurück. Sie ignoriert darüber hinaus die Entwicklung des demographischen Wandels und damit die Nachfrage durch zunehmend ältere Autofahrer, die bisher verstärkt dieses Angebot genutzt haben und in Zukunft noch sehr viel mehr in Anspruch nehmen würden.

Die Einstellung des Autozugverkehrs ist daher gesellschaftspolitisch kontraproduktiv. Vielmehr ist eine Wiederinbetriebnahme und Förderung der bisherigen Autoreisezugstrecken zu empfehlen.

2. Verkehr

Autoreisezüge sind nicht nur komfortable und praktische Transportmittel – sie tragen auch zur Entlastung des Verkehrsträgers Straße bei. Gerade in Ferienzeiten, in denen besonders Familien vermehrt den Autozug als Transportmittel nutzen, kann sich der Verkehr auf die Schienen verlagern.

Die Verlagerung auf den Verkehrsträger Schiene führt darüber hinaus zu einer Verbesserung der Verkehrssicherheit auf deutschen Straßen: Reisende, die während ihres Urlaubsaufenthaltes den eigenen Pkw nutzen möchten, können ihre Fahrtstrecke bequem mit dem Autozug zurücklegen und so eine lange und anstrengende Autofahrt umgehen. Häufige Unfallursachen wie Übermüdung, Unaufmerksamkeit und Stress am Steuer können so umgangen werden. Besonders Motorradfahrern wird die oftmals lange Anfahrt in ihren Urlaub in touristischen Regionen Europas ohne die Möglichkeit zur Nutzung von Autoreisezügen deutlich erschwert.

Die mittelfristig geplante Einstellung des Autozugverkehrs wird eine Überlastung von – gerade in Urlaubszeiten – stark frequentierten Autobahnstrecken zur Folge haben. Darüber hinaus führt das aktuelle Konzept der Deutschen Bahn „Auto + Zug“ zu einer verstärkten Präsenz von Lastkraftwagen auf den Autobahnen. Dies wirkt sich aufgrund der Überlastung der Straßen nicht nur negativ auf Fahrtzeiten sondern auch auf die Verkehrssicherheit in Deutschland aus.

Die Absicht der Deutschen Bahn widerspricht daher dem grundlegenden und vernunftorientierten verkehrspolitischen Prinzip, den Straßenverkehr verstärkt auf den Verkehrsträger Schiene zu verlagern.

3. Umwelt

Die Verlagerung von der Straße auf die Schiene stellt eine umweltfreundliche Alternative für Urlaubsreisen dar. Gegenüber der herkömmlichen Autofahrt mit einem Pkw können bei der Anreise mit einem Autozug bis zu 68 Prozent des CO2 Ausstoßes eingespart werden.

Dem gegenüber ist das alternative Konzept der Deutschen Bahn, die Fahrzeuge zukünftig mit Lastkraftwagen zu transportieren, aus umweltpolitischer Sicht absolut kontraproduktiv und widerspricht der klimapolitischen Zielsetzung des Bundes.

Auch der in Zukunft immer stärker an Bedeutung gewinnende Bereich der E-Mobility wird durch das mangelnde Angebot der Autozüge erheblich geschwächt. Elektrofahrzeuge, die bisher noch kaum für lange Strecken geeignet sind, könnten auf umweltfreundliche Art und Weise mit dem Autozug in die jeweilige Urlaubsregion transportiert werden. Dies würde eine umweltfreundliche Mobilität der Reisenden ermöglichen und damit einen wichtigen Betrag zum Schutz der Natur in beliebten Urlaubsregionen leisten.

4. Demographischer Wandel

Die Einstellung der Autoreisezüge durch die Deutsche Bahn verkennt den aufgrund des demographischen Wandels steigenden Bedarf dieses Transportmittels. Durch die Entwicklung des demographischen Wandels in Deutschland nimmt der Anteil der Senioren und Jungsenioren in der Bevölkerung seit Jahren zu. Viele von ihnen verfügen über eine überdurchschnittliche hohe Kaufkraft und ein starkes Mobilitätsbedürfnis und sind damit für deutsche wie auch europäische Tourismusregionen von großer Bedeutung. Rückgänge im Fremdenverkehr sind daher zu erwarten.

5. Fazit

Ein nachhaltiges Mobilitätsverständnis, also ein Gleichgewichtsverhältnis zwischen Ökonomie, Ökologie und sozialer Ausgewogenheit im Bereich der Mobilität, stellt ein zentrales verkehrspolitisches Ziel des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) dar. Der Autozug der Deutschen Bahn wird diesen Anforderungen mehr als jedes andere Fortbewegungsmittel im Fernverkehr gerecht. Es ist daher dringend zu empfehlen, die Einstellung der Autoreisezüge zu überdenken und ihren Einsatz auch zukünftig aktiv zu unterstützen. Die Deutsche Bahn sollte Maßnahmen ergreifen, die zu einer Förderung der Nutzung der Autozüge führen, um ihren eigenen als auch aktuellen gesellschaftlichen umwelt- und verkehrspolitischen Ansprüchen gerecht zu werden.

5 Gedanken zu „Positionen

  1. wir reisen mehrmals jährlich mit dem autoreisezug das angeblich neue konzept der bahn kann doch nicht funktionieren im pkw befindet sich doch auch das gepäck was bis zur abfahrt und gleich nach der ankunft benötigt wird. schade ist das auf eurem logo der sylt zug abgebildet ist, der doch eine sonderrolle spielt. hoffentlich kann man den autozug in seiner jetzigen form erhalten

  2. Die Bahn hat immer wieder mit Slogan “Güter auf die Bahn” geworben.
    Durch den Transport der Fahrzeuge vom Autoreisezug auf Lkw’s macht die Bahn einen Salto rückwärts.
    Die Autobahnen sind schon jetzt, besonders zu Ferienzeiten, überlastet.

    Wer soll das verstehen?

  3. Seit Jahren wird nichts mehr investiert und wieder muss man mit den Fehlern eines Herrn Mehdorn fertig werden.
    Mit unseren Oldtimern und Motorrädern ist der Autozug ohne Alternative, auch wenn wir über die angebotenen Schlafwagen sehr enttäuscht sind. Alt, ständig ist etwas kaputt und die Abteile sind kleiner als “Gefängniszellen”. Das kann man bei der DB besser.
    Ohne die wirklich netten Zugbegleiter wäre alles manchmal unerträglich.
    Wir können nur appellieren, den Autozug zu erhalten und zu modernisieren.
    Besten Gruß aus HH

  4. Ich bin auch für den Erhalt des Autoreisezuges bzw. der Verbindung gerade als Motorradfahrer aus dem Ruhrpott in die Alpen war der Reisezug immer der bessere Weg als wie 500 Kilometer langweilige Autobahn.

  5. in diesem Jahr war ich zum ersten Mal it einem Autoreisezug und meinem Motorrad gereist. Warum wird, wie die Bahn ja behauptet, die Zug nicht mehr so angenommen ? Unverschämte Preise, veraltete Wagons, kein Service und viel zu enge Abteile. ABER trotzdem würde auch ich hier ein riesiges Potential sehen was man ausbauen könnte, denn ein Erlebnis ist es allemal gewesen für mich, welches ich sehr gern wieder holen würde. Wenn die Bahn sich mal mit dem Thema beschäftigen würde, die Preise Marktgerechter gestalten würde, z.B. einen Speisewagon anbieten würde wo Gäste sich auch mal Erholen könnten und sich stärken bei einem kühlen Bier wenn die ” hohen “Herren mal investieren würden,dann würde der Autoreisezug ich auch druch höheres aufkommen rentieren können. Aber nur abzocken und dann schließen, so geht Marktwirtschaft nicht wirklich lang gut. Dann gebt es an private Unternehmen weiter, die zeigen der großen Bahn es schon seit Jahren wie man mit Kunden umzugehen hat.

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